46/47

Das Ohrenkuss-Team auf einem Kölner Hinterhof, Photographie: © Michael Bause
Das Ohrenkuss-Team auf einem Kölner Hinterhof, Photographie: © Michael Bause

 

Das Magazin „Ohrenkuss ...da rein, da raus“ erscheint zweimal im Jahr und veröffentlicht ausschließlich Texte, die Menschen mit Down-Syndrom selbst verfasst haben. So können die Leser von Ohrenkuss direkt daran teilhaben, wie Menschen mit diesem Handicap ihre Umgebung wahrnehmen und was sie wirklich denken. Das Magazin ist in einer besonderen Optik gestaltet und veröffentlicht viele Fotos der Autoren, die sie in ungewöhnlichen oder alltäglichen Situationen zeigen. „Ohrenkuss ...da rein, da raus“ hat bereits viele Preise gewonnen, darunter den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland und den Jugendkulturpreis Nordrhein-Westfalen.

 

 

DIE OHRENKUSS REDAKTION BESPRICHT 46/47

Die Redakteure Angela Fritzen und Marc Lohmann bei der Arbeit, Photographie: © Maya Hässig, Köln
Die Redakteure Angela Fritzen und Marc Lohmann bei der Arbeit, Photographie: © Maya Hässig, Köln

Marc Dietschreit und Nadine Heinze sind zu Gast in der Ohrenkuss-Redaktion, um ihren Film 46/47 vorzustellen. Autor Daniel Rauers ist erfreut: „Der Film ist spannend. Ich freue mich da total drauf.“ Johanna von Schönfeld findet den Hauptdarsteller cool: „Es geht um den Film, dass einer der 46 Chromosomen diesen Film zu zeigen, was gefilmt worden ist. Sie haben gezeigt, wie der 46 Chromosomen (der coole Typ, aus meiner Sicht) gespielt hat.“

 

Ein cooler Typ? Kein schlechter Anfang! Aber worum geht es? Was ist das Thema des Films? Marc Lohmann: „Es geht um Down Syndrom.“ Soweit richtig – aber auch wieder nicht. Wer hat im Film das Down Syndrom? Wie ist das mit der Hauptfigur? „Der Junge hat 46 Chromosomen.“, stellt Angela Fritzen klar.
Stimmt. Und die anderen? „
Der junge Mann fährt Bus. Er hat kein Down Syndrom. Wenn er mit dem Bus fährt, die anderen, die haben 47 Chromosomen. Der Busfahrer und die Fahrgäste. Die haben Down Syndrom.“ Und nicht nur im Bus: „Draußen waren Leute mit Down Syndrom, auf der Freiheit, die rumlaufen irgendwo. Auf dem Platz, auf der Straße.“, berichtet Marc Lohmann.

Marc Lohmann
Marc Lohmann

Paul Spitzeck ergänzt: „Eine ist nicht behindert und eine ist behindert. Der eine hat 46 und der eine hat 47 Chromosome. Der Hauptdarsteller hat 46 Chromosome, die anderen 47 Chromosome.

 

Auch Marley Thelen ist besonders die Szene im Bus in Erinnerung geblieben: „Und wenn der im Bus, viele Menschen den Jungen angeguckt. Finde ich das gut? Anstarren finde ich nicht gut.“ Allerdings kommt es auch drauf an, wie geguckt wird, findet sie: „Ich finde toll, wenn jemand behinderte Menschen anguckt – aber nur manchmal. Manchmal guckt man auch dahin, wenn einer Pickel hat.“

 

Marc Lohmann beschreibt die Szene im Bus so: „Alle starren den Mann an. Die denken: wie sieht der denn aus? Er hat sich geärgert. So war’s aber gewesen.“ Und er beschreibt, wie es ist, wenn er nach der Redaktionssitzung mit dem Bus nach Hause fährt: „Wenn ich nach der Redaktionssitzung nach Hause fahre: Ich habe 47 Chromosomen. Die anderen in dem Bus haben weniger, 46. Ich bin der Einzige, der 47 Chromosomen hat. Werde ich angestarrt? Ganz wenig. Sonst muss der Busfahrer die rausschmeißen!“ Auch Antonio Nodal kommt das bekannt vor: „Ich kenne die Situation.“

Marley Thelen
Marley Thelen

Julian Göpel haben wir auch gefragt, ob er beim Busfahren angestarrt wird. Zuerst startet er einen Aufruf: „Der Mann mit 46 Chromosomen wird angestarrt. Das finde ich gar nicht gut – schlecht, oberfaul. Das ist unfair! Wir müssen ihm helfen. Egal wie viele Chromosomen.“

 

Und berichtet dann von seinen eigenen Erfahrungen: „Wenn ich alleine im Bus bin, dann sagen die immer: ‚Du siehst gut aus!’ Dann sagen die zu mir: ‚Julian, Du bist schick angezogen.’ Das finde ich gut! Aber es gibt auch Leute, die wenig zu mir sagen, wenn ich im Bus bin. Ich steige ein und grüße den Busfahrer.“ Im Film haben nicht nur im Bus und auf der Straße alle Menschen das Down-Syndrom – auch im Supermarkt. Angela Fritzen berichtet: „Der Mann hat kein Down-Syndrom. Die Erwachsenen und Kinder [haben] Down-Syndroms.“ Mitarbeiten, auch ohne Down Syndrom – ob das funktionieren kann? „Er möchte gerne mit dem Down-Syndrom mitarbeiten, dass er auch lernen kann, was er machen kann.“ Paul Spitzeck erinnert sich an die Kassiererin im Supermarkt: „Die Kassenfrau guckt der nicht an der Dünne. Nicht ansehen. Weil der anders ist.“ Nicht nur, dass er überall angestarrt wird und anders aussieht, ist Johanna von Schönfeld aufgefallen: „Er hat nicht so wirklich mit den Menschen geredet.“ Zum Glück hat der junge Mann im Film einen Freund. Paul Spitzeck: „Der Freund, der Pizza liefert hat Down Syndrom.“

Angela Fritzen
Angela Fritzen

 

 

Anna-Lisa Plettenberg findet ein weiteres Problem des jungen Mannes im Film total nervig: „Seine Mutter ihn immer nervt, weil die jeden Tag anruft.“ Das ist auch Michael Häger aufgefallen: „Ich habe was gehört: ein Telefon. Hörer abgenommen und einer hat was gesagt.“

Johanna von Schönfeld findet es cool, wie der Junge Mann seine Mutter am Telefon abserviert hat: „Er hat ziemlich coole Szenen gespielt, wie er mit seiner Mutter am Telefon gesprochen hat.“ Paul Spitzeck hingegen ist empört: „Der große Dünne hat gelogen ihre Mutter: Der hat gesagt ich bin im Badezimmer, obwohl der noch gespielt hat.“ Verstehen kann er es trotzdem irgendwie: Freut er sich, dass die Mutter anruft?

"Nein der freut sich nicht, weil der kein Müttersöhnchen ist.“

Was allen gefallen hat: die Musik, die der Hauptdarsteller über Kopfhörer in vielen Szenen des Films hört. Marley Thelen schreibt: „Ich finde es besonders, dass der Junge Musik gehört hat. Das finde ich toll.“ Paul Spitzeck mochte vor allem das erste Stück: „Das erste (instrumental Musik).“

Und was halten die Redakteurinnen und Redakteure vom Film? Lohnt es, ihn sich anzusehen? Michael Häger findet ja: „Der Film ist sehr gut.“ Angela Fritzen kann dem nur zustimmen: „Für mich ist der Film ist sehr wichtig und interessant.“ Julian Göpel dagegen macht sich Sorgen um die Zielgruppe: „Ich finde es gut. Ich würde sagen: nur wenige Personen können das gucken. Die Leute mir Down Syndrom, die könne das viel besser sehen. Die können den jungen Mann gut verstehen. Und viele Leute, die interessiert das nicht.“

 

Johanna von Schönfeld vermeidet das Thema lieber. „Diesen Thema ist nicht mein Thema, weil das Thema für mich schon bewegt. Und ich hätte gerne von 40 bis 20 Chromosomen haben. Aber man kann ja nicht ändern.“ Auch Paul Spitzeck macht der Film eher traurig: „Ich bin traurig, weil das Down Syndrom blöd ist für mich und ich finde das Scheiße.“ Marc Lohmanns Fazit: interessant. „Ich finde den Film, ich habe den zum ersten Mal geguckt. Aber ich finde den Film schon gut anzusehen. Über Down Syndrom und Chromosomen. Ich denke, man sollte den ansehen. Ist schon interessant.“

 

Also: am besten selber angucken. Ohrenkuss wünscht viel Vergnügen!

 

 

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Dr. Katja de Braganca, Chefredaktion.

www.ohrenkuss.de