DAS FEHLENDE GRAU

 

DAS FEHLENDE GRAU ist das Psychogramm einer jungen Frau und der Männer, die ihr verfallen.

 

Aufmerksamkeit zu erregen fällt ihr leicht. Mal laut und schrill, mal kindlich und leise pendelt sie zwischen den Extremen. Sie versetzt ihre Umgebung in einem Moment in Anziehung, um sie im nächsten abzustoßen. Dabei ist sie sich selbst fremd, nur zu Gast in ihrer eigenen Existenz. Auf ihren atemlosen Streifzügen durch die nächtliche Stadt verdichten sich die Schicksale. Begegnungen voller Widersprüche verwandeln sich in Momente ungewollter Nähe. Sie folgt Männern nach Hause oder ins Hotel, provoziert und gibt sich doch im entscheidenden Moment unnahbar. Sie sucht die Sollbruchstellen in den angeschlagenen Persönlichkeiten ihrer Gegenüber, verwendet deren Wünsche und Sehnsüchte gegen sie.

Ein perfides Spiel um Kontrolle und deren Verlust beginnt.

 

Im Strudel zwischen Anziehung und Ablehnung verschwimmen die Grenzen zwischen Opfern und Tätern. Eine ungebremste Fahrt in eine emotionale Einbahnstrasse. Sie treibt ihre Gegenüber in die Enge und bringt sich selbst zunehmend in Gefahr. Erst als sich ihre eigene Kindlichkeit im Blick eines kleinen Mädchens spiegelt, gerät etwas aus den Fugen, lässt ein unaussprechliches Trauma erahnen.

 

DAS FEHLENDE GRAU ist die Momentaufnahme einer irrlichtgleichen Persönlichkeit mit Träumen in schwarz und weiß, unfähig zu Nähe und süchtig nach Eskalation und Erlösung.

 

 


Sina Ebell in ihrem Debüt als Hauptdarstellerin in einer Rolle mit vielen Facetten. Mit Rupert J. Seidl, Albert Bork und Alexander Steindorf ergänzt sich die Besetzung zu einem Ensemble aus größtenteils Bühnendarstellern. Gedreht wurde hauptsächlich im Ruhrgebiet und Umgebung an zahlreichen Originalschauplätzen, wobei die außergewöhnliche, teils dokumentarische Bildgestaltung von Kameramann Conrad Lobst viel Nähe zu den Figuren erlaubt. Für den Filmschnitt zeichnet sich ein weiteres "Ruhrgebietskind" verantwortlich. Die heute in Berlin lebende Andrea Schumacher hat mit assoziativer Herangehensweise und einem erfahrenen Blick einen großen Beitrag am dramaturgischen Konzept geleistet.

 

REGIEKOMMENTAR

Die Verbreitung der Borderline-Störung in der Bevölkerung wird auf 2-4 Prozent beziffert. Dabei ist die Anzahl der betroffenen Frauen dreimal so hoch wie die der Männer. Häufig liegt eine Missbrauchsgeschichte vor.

Wir wollten keinen weiteren Borderline-Film mit den typischen Symptomen erzählen. Es ging uns um das unmittelbare Erleben einer solchen Persönlichkeit. Menschen begegnen einander nicht mit einer Diagnose um den Hals. Begegnungen sind direkter, finden nicht im therapeutischen Rahmen statt. Auch die Männer im Film treffen eine solche Frau, sind direkt fasziniert von der sprühenden Energie, merken jedoch aufgrund eigener Defizite erst spät worauf sie sich eingelassen haben. Uns interessierte vor allem das häufig wechselnde Opfer-Täter Verhältnis. Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas wollten wir jedoch einen unterhaltsamen, spannenden und auch leichten Ansatz verfolgen, der sich nicht primär der Frage nach „Diagnose, Klinik und Heilung“ verpflichtet.